
Der Tag hat für meine Verhältnisse früh angefangen — ca. 6.00h. Nach einer halben Nacht, in der ich versucht hatte, mein SIM-Karten-Thema zu lösen, hat sich 6.00h noch früher angefühlt. Noch immer keine Lösung. Ich muss damit leben, dass ich bis zur nächsten Stadt kein Netz habe.
Nach dem Frühstück hat Nitsy uns zurück zum Trail gefahren. Um 7.45h war es bereits enorm heiss.
Am Ende der ersten Steigung sind wir auf mehrere Hiker getroffen. Eine Hikerin habe ich sogar gekannt — sie war zur selben Zeit wie ich bei Mikes Place und Little Bear. Es ist immer wieder witzig, Leute nach ein paar Wochen wiederzusehen.
Der Morgen war angenehm — leichtes Hoch und Runter, auch geradeaus — aber sehr heiss. Ein älterer Hiker hat mir einige Tipps gegeben. Sonst ereignislos.

Irgendwann bin ich bei Whitewater River angekommen. Die erste richtige Flussüberquerung aus meiner Sicht. Ich habe mich unter einen Busch gesetzt um Wasser zu trinken. Daraus wurde eine längere Pause, da immer mehr Leute dazu kamen, sich Schatten gesucht und getrunken haben. Bis Sonnenuntergang habe ich meine 1.5-Liter-Flasche fünf Mal gefüllt und wieder leergetrunken — zusätzlich zu den drei Litern vom Morgen. Bis zur Nacht über zehn Liter. Dabei habe ich auf meinem eReader gelesen. Den habe ich so oft benutzt wie noch nie. Ein sehr gutes Buch. Leider bis zum Abend fertig.
Als es dunkel und nicht mehr so heiss war, bin ich weitergewandert. Ein Experiment — in der Nacht wandern. Wertvolle Daten gesammelt; wirklich positiv war die Erfahrung jedoch nicht. Die Idee war, ohne Lampe zu wandern. Es war hell genug, den Weg zu sehen, aber nicht die Details, was das ganze Unterfangen unangenehm gemacht hat. Später mit dem Mond wäre es gegangen, aber zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang vergeht eine beachtliche Zeit. Dann das Thema Schlaf. Am Tag zu schlafen, bei dieser Hitze, ist für mich fast unmöglich. Und irgendwann muss ich ja schlafen. Vermutlich werde ich früher schlafen gehen und nach Mondaufgang um Mitternacht herum loslaufen. Mal schauen.
Ich bin dann mit der Stirnlampe gewandert, später mit der Handylampe — das Handy kann ich an der Powerbank laden, die neue Stirnlampe läuft nur auf Batterien. Ich habe auch wieder Sandalen ausprobiert, was erstaunlich gut ging. Was mir aufgefallen ist: Wenn ich in der Nacht wandere, störe ich tendenziell andere. Nicht beim Vorbeilaufen, sondern beim Aufstellen des Nachtlagers. Auch wenn ich noch so leise zu sein versuche — die Nachbarn weckt es. Noch work in progress. In der Kühle der Nacht zu wandern ist angenehm — aber zum Schlafen ist sie es auch.
Die Nacht war grösstenteils gut, bis die Insekten mich gestört haben. Surren und Stechen helfen nicht beim Schlafen. Wenn man schon seine Karriere als Blutsauger auswählt, könnte man wenigstens den Anstand haben, das so zu machen, dass die Opfer einen nicht bemerken. Wirklich unerhört.