21.-22. Mai — Galileo, Autostopp und ein falsch aufgestelltes Zelt

Vom Hobo Camping zum Highway, und am Tag darauf gar nicht erst losgekommen.

Highway 2 war heute mein Weg. Etwa auf halber Strecke zum nächsten Ort hat jemand angehalten und gefragt, ob ich mitfahren wolle. Mit der Fahrerin entstand ein längeres Gespräch darüber, wie Kinder hier ihre Namen bekommen. Zuvor hatte ich auf dem Trail bereits jemanden getroffen, der Lyrics heisst — für einen Schweizer kein gewöhnlicher Name, ich fand das spannend. Die Fahrerin hat ihre Kinder Galileo und Astronomy genannt. Dass das überhaupt möglich ist, hat mich verblüfft. Die Kinder haben ausserdem andere Nachnamen als ihre Eltern — auch die können hier offenbar frei gewählt werden. In der Schweiz alles nicht möglich.

Sie war sehr nett und hat mir erklärt, wo im Ort ich was finde. Bei Mountain Hardware gab es eine Wandersektion mit Wasserblasen — aber weder die richtige Marke noch der richtige Typ. Dafür habe ich etwas gefunden, um meine eigene zu reinigen, die langsam Schimmel ansetzt. Und einen guten Trail Mix, von dem ich mich eingedeckt habe. Meine Schuhe sind vorne zu eng und ich hatte gehofft, sie zu ersetzen — aber Grösse 47/48 ist auch hier nicht leicht zu finden.

Von dort weiter in den Supermarkt für den Rest des Proviants, dazu eine Vier-Liter-Flasche Arizona-Eistee. Meine Mutter hat mir den einmal nach Hause mitgebracht, seither mag ich das Zeug sehr gerne. In der Schweiz gibt es ihn nur in Halb-Liter-Flaschen, hier kostet eine Vier-Liter-Flasche weniger als eine kleine bei uns. Allein aus alter Erinnerung musste ich eine kaufen.

Hinter dem Sportladen gibt es einen Ort, an dem Hiker chillen können. Dort war eine Gruppe von sieben weiteren Hikern. Ich habe gefragt, ob sie noch Platz hätten, mich zurück zum Trail zu nehmen. Acht Menschen und sieben Rucksäcke — geht nicht. Ich weiss bis heute nicht, wie sie überhaupt alles in den Pick-up Truck gebracht haben.

Zwischendrin war ich bei einer Näherin, die mit einem Flyer für Arbeiten an Rucksäcken geworben hatte. Die Aussentasche an meinem Rucksack ist zu eng für die Wasserflasche, das wollte ich ändern lassen. Sie konnte nur einfache Reparaturen ausführen, keine grösseren Veränderungen. Also warte ich bis zur nächsten Näherin.

Gegen Abend bin ich wieder Richtung Trail los, obwohl eine Übernachtung in der Stadt sehr einfach gewesen wäre. Zum ersten Mal musste ich aktiv den Daumen rausstrecken — bisher war ich entweder angesprochen worden, oder es war gerade ein Trail Angel da. Lange laufen musste ich nicht. Ein Mann hat angehalten und mich den Berg hochgefahren. Er wollte eigentlich eine andere Wanderin abholen, die aber bereits mit jemand anderem weitergefahren war. Wenigstens war seine Fahrt nicht ganz umsonst. Nicht besonders dankbares Verhalten von der anderen Wanderin. Genau dieser Punkt wurde übrigens bei der Einführung am Anfang des Trails erwähnt: Wenn du jemanden gezielt um eine Mitfahrgelegenheit bittest, dann wartest du auch — auch wenn dir vorher jemand anderes eine Fahrt anbietet.

Von dort bin ich zu einem Campground weitergelaufen. Dort: die Gruppe der sieben Hiker vom Morgen. Das Cowboy-Camping war dann ganz ok.

Zu Tag 41 gibt es nicht viel zu sagen. Ich bin nicht losgekommen und am Campspot geblieben. Zu meiner Verteidigung: Üblicherweise treiben Sonne und Hitze mich aus dem Schlafsack. Dieses Camp war im Schatten im Wald, und so habe ich länger geschlafen.

Gegen Abend habe ich zwei Hiker getroffen — ein Mann läuft den PCT, seine Schwester begleitet ihn für ein paar Tage. Sie hatten ein Zelt, das sich mit den Hiking-Stöcken aufstellen lässt, alternativ mit Stangen. Seine Schwester benutzt sein altes Zelt — angeblich richtig schlecht. Wir kamen ins Reden, und irgendwann dachte ich: So schlecht kann ein Zelt gar nicht sein, dass es überhaupt verkauft wird. Es liess mir keine Ruhe. Also haben wir es abgebaut. Stellte sich heraus: Sie hatten es die ganze Zeit falsch aufgestellt. Richtig aufgebaut war es weitaus besser, schön gespannt. Vorher wäre es bei schlechtem Wetter meiner Meinung nach unbrauchbar gewesen. Wir haben alle darüber gelacht. Fehler sind menschlich. Dann habe ich zu Abend gegessen und bin schlafen gegangen.

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