Ein langer Tag, und merklich kühler als die letzten Wochen.

Gut geschlafen. Nach den üblichen Haferflocken bin ich losgegangen und kurz darauf einer Hikerin begegnet, die ich aus der letzten Stadt kannte. Sie machte gerade Pause, als ich vorbeikam.
Etwa 1.5 Meilen weiter gab es Wasser. Hier hat irgendwann einmal jemand ein Loch in den Berg gehauen und ein Betonrohr eingegraben, an einer Stelle wo Wasser hervortritt. Während ich filterte, hat mich die Frau wieder eingeholt. Sie benutzt einen Squeeze-Filter, ich filtere durch die Schwerkraft. Sie war früher fertig und ging vor, kurz darauf habe ich sie wieder eingeholt. So ging das über den Tag verteilt mehrere Male hin und her. Ab und zu haben wir uns kurz unterhalten, dann wieder jede/r seinen Weg. Eine Beobachtung, die ich immer wieder mache: Viele Hiker machen weniger Pausen als ich, dafür gehe ich schneller, und so begegnet man sich oft mehrmals.
Etwas früher am Tag, auf einer schlechten Erdstrasse, war ein Auto an mir vorbeigefahren — ein Mann mit einem Hund neben sich, der mich nach dem weiteren Strassenverlauf gefragt hat. Ich habe ihm gesagt, dass viele grosse Steine im Weg liegen und er vermutlich nicht weit kommt. Eine lustige Konversation. Ab und zu trifft man Leute, die praktisch am PCT oder ganz in der Nähe wohnen und keine Ahnung davon haben. Er war einer davon. Er fand es schon krass, dass ich überhaupt hier hochlaufe. Dann hat er mich gefragt, wo ich denn gestartet sei. Auf mein "an der mexikanischen Grenze" kam ein ungläubiges "Was??". Das war recht witzig.
Irgendwann kam ich an einen Abschnitt, an dem der PCT abgesperrt war. Hier lebt der mountain yellow-legged frog (Berg-Gelbbeinfrosch), eine stark gefährdete Froschart — jemand hat mir erzählt, dass es 2023/2024 noch rund 300 Tiere gegeben hat. Die Umleitung führte für ein paar Meilen über den Angeles Crest Highway, auch bekannt als Highway 2. Teerstrasse statt Trail, aber die Aussicht war wirklich cool. Teile des Highways waren wegen Schäden gesperrt, viele Baustellen. Ich habe ein Foto von dem gemacht, was einmal ein Skilift war und jetzt nur noch zusammengefallene Reste — irgendwo bei Mt. Waterman oder Kratka Ridge, beide stillgelegte Skigebiete. Viele Kilometer Umweg um zerstörtes Gebiet.
Am Abend bin ich bei einer Cabin angekommen und habe mein Zelt daneben aufgestellt. Ein anderer Hiker hatte einiges liegen gelassen, teilweise ungeöffnete Packungen Käse-Hörnli. Die habe ich dann gegessen. So oder so ein lustiger Tag — und merklich kühler als das, was die letzten Wochen so war.

