1. Mai — Eichhörnchen, ein vergessener Hut und Augen im Dunkeln

Es ist 22 Uhr. Ein ziemlich langer Tag.

Ich bin eher spät losgekommen — am frühen Nachmittag. Einige Eichhörnchen gesehen, sonst nicht viel. Der Weg bot zuerst viel Anstieg, danach hoch und runter. Einigen Leuten bin ich begegnet, nichts Nennenswertes.

Irgendwann bin ich dem Hiker begegnet, der mich nach Idyllwild gefahren hat. Er war hier für eine Tageswanderung. Ziemlich witzig — er kam mir bekannt vor, bevor ich ihn einordnen konnte. Meinen Hut hatte ich vergessen, hatte aber Glück: Er hatte eine zweite Gruppe hergefahren, die mir den Hut mitgebracht hat. Kleiner Sieg. Weniger Glück hatte ich mit dem Behälter für meine Zeltstangen — irgendwo in der Nacht bei Mike’s Place verloren, nicht mehr auffindbar. Keine Ahnung wo. Nicht kritisch, aber ärgerlich.

Am Abend musste ich wieder runter zum Wasser. Viele Hiker nehmen ihre Flaschen und machen den Weg ohne Rucksack. Hätte ich vielleicht auch gemacht, aber als ich ankam war es bereits 20:30 Uhr und dunkel. Also mit Stirnlampe losgelaufen — gut, dass ich wieder eine habe. Habe entschieden, unten zu schlafen. Oben waren mehrere Zelte, unten niemand, wie schon letztes Mal. Die meisten Hiker gehen lieber ohne schweren Rucksack runter.

Diese Wasserquelle war anders — nicht aus einer Röhre. Das Wasser sammelt sich in einer Kuhle, stetiger Strom, kühl und sauber. Diesmal keine Reinigungstablette verwendet, nur normal gefiltert.

Beim Herunterlaufen gab es dann einen witzigen Moment. Im Dunkeln habe ich gesehen, dass etwas reflektiert, und dachte, ich sei bei der Quelle — jemand hatte ein Zelt aufgestellt, die Schnüre reflektieren ja damit niemand drüberstolpert. Dann habe ich aber gemerkt, dass der Pfad weitergeht und dies wohl noch nicht die Quelle war.

Dann habe ich überlegt, was da reflektiert hatte.

Zwei Augen. Nah beieinander, nicht klein. Unbeweglich.

Erster Gedanke: Dachs. Aber Dachsaugen stehen nicht so nah beieinander. Puma schon. Von der Höhe her könnte es auch passen. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich mich beim Zeltaufstellen mehrmals umgedreht habe, um zu schauen, ob etwas hinter mir ist.

Ich weiss nicht genau, welche Tiere es hier oben noch gibt. Für ein Reh war es zu tief. Wohl auch keine Bergziege. Schwierig zu sagen. Es hat sich nicht bewegt — das ist typisch wenn Wildtiere angestrahlt werden, sie erstarren meist.

Irgendwann stand das Zelt. Ausnahmsweise hatte ich Netz und konnte Nachrichten schicken. Um 22 Uhr war ich zu müde zum Kochen und habe nur kalt gegessen. Morgen muss ich dafür etwas mehr frühstücken.

Ein guter Tag insgesamt. Tolle Aussicht den ganzen Tag. Und überall auf diesem Abschnitt: angekohlte Baumstämme, entweder tot oder noch lebende Bäume, die das Feuer überlebt haben. Vor einigen Jahren wütete hier ein heftiger Waldbrand. Ich habe sogar gehört, dass dieser PCT-Abschnitt deswegen für mehrere Jahre gesperrt war.

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