Ich musste kurz überlegen, welcher Tag heute ist. Der Tag ist anders verlaufen als erwartet.
Ich bin spät aufgestanden. Wieder die Powerbank zum Laden eingesteckt und viel online nachgelesen — vor allem über die Permit-Situation. Ohne grossen Erfolg. Dann habe ich eingekauft.
Einkaufen folgt hier vier Kriterien: Gewicht, Kosten, Nährwerte und Geschmack. Geschmack macht die erste Entscheidung einfach — was nicht schmeckt, fällt sofort weg. Der Rest braucht mehr Rechnen.
Beef Jerky zum Beispiel. Es gab zwei Grössen von zwei verschiedenen Herstellern. Ich habe die Nährwerte verglichen — konkret die Kalorien. Anders als in der Schweiz, wo pro 100g ausgewiesen wird, rechnen die Amerikaner pro Portion. Ich frage mich warum. Meine Portion ist sowieso grösser als die der meisten anderen. Die grosse Packung hatte 3 Portionen, die kleine 1, und die Portionsgrössen waren verschieden. Die kleine Packung wog 10g weniger pro Portion, hatte aber fast gleich viel Protein wie die grosse. Die kleine kostete $2, die grosse $10. Mein Fazit: Fünf kleine statt einer grossen kaufen ergibt 5g mehr Gesamtinhalt und mehr Kalorien pro Gramm Gewicht. Ich habe vorwiegend kleine gekauft, plus eine grosse, da die kleinen ausgegangen waren.
Hier fängt man an, so zu rechnen. Ich kenne mittlerweile die Kalorienzahl eines Gramms Öl auswendig — nicht dass ich es pur essen würde.
Hiker-Food habe ich auch wieder gefunden, war aber nicht überzeugt. Die Marken hier haben etwa das gleiche Verhältnis von Kalorien zu Gewicht wie mein Reis, kosten aber $15. Je nach Produkt habe ich 400-500 Kalorien pro Packung gelesen — während das, was ich kürzlich probiert hatte, 1300 Kalorien beim gleichen Gewicht brachte. Man muss wirklich gut schauen, was man kauft.
Ich verstehe immer noch nicht, wie sie 1300 Kalorien in eine 130g-Packung Käsenudeln stecken konnten. Soweit ich weiss, hat Öl am meisten Kalorien pro Gramm — rund 1000 pro 100g — und Hiker-Food besteht nicht aus Öl. Ich hatte die Inhaltsstoffe gelesen und bin dennoch nicht auf die Lösung gekommen. Ein Rätsel, das ich noch lösen werde.
Keine Tortillas hier. Ich hoffe, sie morgen zu bekommen — ausverkauft. Nach dem Einkauf war es bereits 17:30 Uhr. Ich bin noch mit jemandem ins Gespräch gekommen und deswegen etwas später geworden. Dafür habe ich meine Heringe wieder. Jemand hat sie gefunden und mir gebracht — sehr nett. Und während ich tagsüber weg war, hat der Wind mein Zelt ziemlich durchgeschüttelt. Jemand in der Nähe hat das bemerkt und Steine auf die Schnüre gestapelt, um es zu befestigen. Auch sehr nett.
Mit ihm habe ich mich länger unterhalten. Er ist mit seinem Vater unterwegs. Eine witzige Geschichte: Sein Vater — gute 50 Jahre alt — hat ihm einfach so geschrieben, er sei wahrscheinlich der Einzige, der für so ein Abenteuer zu haben wäre, und ob er mitkommen wolle. Der Sohn fand die Idee gut. Und da sind sie nun. Keine typischen Thru-Hiker. Mein Zelt ist für Trail-Verhältnisse schon grosszügig, aber im Vergleich zu ihnen bin ich mit einem ultraleichten Zelt unterwegs. Sie haben irgendein Zelt bei Amazon gekauft. Beide Zelte sind kleiner als meins, wetterfestigkeitsmässig schlechter — und trotzdem schwerer.
Ich habe für etwa fünf Tage eingekauft, habe mich aber entschieden, nochmals eine Nacht zu bleiben. Mit den wiedergefundenen Heringen habe ich das Zelt richtig gut befestigt. Ein weiterer Grund: Man kann hier eine Art mexikanisches Sandwich bestellen. Ich habe gleich zwei bestellt — eines zum Frühstück, eines als Mittagessen — Abholung morgen um 7 Uhr. Eine willkommene Abwechslung, vor allem da ich keine Haferflocken gefunden habe. Stattdessen habe ich Fertig-Kartoffelstock gekauft. Haferflocken wären mir lieber, aber das sollte auch gehen.
Noch etwas Neues: Huhn aus der Dose. Mir ist aufgefallen, dass ich tendenziell zu wenig Protein zu mir nehme im Verhältnis zu dem, was ich den ganzen Tag leiste. Angeblich sollte ein PCT-Hiker rund 200g Protein pro Tag zu sich nehmen. Ich bin ziemlich sicher, dass es bei mir weniger sind. Ich versuche nun, das Huhn unter mein Essen zu mischen. Proteinpulver habe ich noch keines gefunden — das wäre eigentlich meine Idee gewesen.
Ich habe mir auch Solarpanels überlegt. Die, die ich möchte — Marke Sun Slice — sind ausverkauft. Was ich hier finde, ist zu schwer und zum Aufstellen gedacht, nicht zum Mittragen.
Tagsüber viel mit anderen gesprochen, neue Leute kennengelernt. Jetzt bin ich im Zelt und gehe bald schlafen — morgen früh auf, 7 Uhr Sandwiches. NoPlans ist das Motto, aber ich sitze nun lang genug herum. Zeit, weiterzulaufen.