Der Morgen hat damit begonnen, dass ich beinahe von meiner aufblasbaren Schlafmatte heruntergerollt wäre. Ich hatte halbwegs davon geträumt, in meinem Bett zu Hause zu liegen, das deutlich breiter ist als meine Matte. Ich habe mich gedreht und bin langsam zur Seite gerutscht. Bei den paar Zentimetern nicht schmerzhaft, aber doch "erschreckend" genug, um verwirrt aufzuwachen. Witzig im Kontext: Vor ein paar Tagen hatte eine Hikerin erwähnt, dass sie weg von ihrer aufblasbaren Matte will, weil sie ständig runtergerollt sei. Damals dachte ich noch "hmm, interessant, das ist mir noch nie passiert". Und prompt ist es mir auch passiert.

Apropos praktische Dinge: Gestern habe ich mein letztes Paar Socken zerstört. Es waren Zehensocken, die ich in Big Bear zum Ausprobieren gekauft hatte, auf Anraten anderer Hiker. Bisher hatte ich sie immer unter meinen normalen Socken getragen. Gestern war der erste Tag, an dem ich nur die Zehensocken anhatte — was offenbar gereicht hat, sie kaputtzukriegen. Alle Löcher an derselben Stelle: vorne an den Zehen, da wo meine Füsse an den Schuhen reiben. Weil ich grössere Schuhe brauche, die ich nirgends finde. Echt mühsam. Ich habe Grösse 48. Vermutlich liegt es weniger an der Länge als an der Breite.
Mit nur noch löchrigen Socken übrig habe ich heute meine Füsse mit Leukotape getaped — ein braunes Sporttape, das hier auf dem PCT alle nutzen, um bei Reibung Blasen zu verhindern. Hat erstaunlich gut funktioniert. Am Ende des Tages war das Tape zwar halb durchgerieben, aber nicht ganz durch. Das eigentliche Problem: Solange ich keine neuen Schuhe finde, wird mir das mit den Socken dauernd passieren — sie sind so schnell durch. So mühsam, dass ich mir tatsächlich überlegt habe, von Agua Dulce via Acton nach Los Angeles zu gehen, nur um ein neues Paar zu kriegen. Aber dazu habe ich überhaupt keine Lust. Und online bestellen hasse ich genauso. Innerlich habe ich wohl längst entschieden, nicht nach Los Angeles zu gehen für nur ein Paar Schuhe und eine Hose. Beides brauche ich dringend und finde ich nirgends.
Recht spät am Nachmittag bin ich losgelaufen. Geplant waren etwa 15 Meilen bis zur Stadt. Am Ende habe ich nicht einmal das geschafft — und es machte auch keinen Sinn mehr.
Nach gut vier Meilen kam ich an einen Campingplatz mit einem kleinen Markt. Die Preise waren völlig überrissen. Zum Frühstück hatte ich eine zweite Portion Pasta gegessen und war sonst mit dem Essen am Ende, also musste ich hier sowohl Essen als auch Wasser kaufen — keine Quelle in der Nähe. Eine Ein-Liter-Flasche Wasser — ganz normales Wasser — hat unglaubliche fünf Dollar gekostet. Das sind Preise, die wir an einem sehr teuren Ort in der Schweiz erwarten, aber nicht hier. Aber gut. Vorräte für gut einen weiteren Tag, also weiter.
Wieder im Dunkeln gelaufen. Unter anderem durch einen Tunnel, über den eine Autobahn auf einem künstlichen Hügel hinwegführte. Etwas weiter kam ich an einen wirklich coolen Ort, einen Park oder Canyon — die Vasquez Rocks. Leider war es dunkel und ich konnte nicht viel sehen. Allein nach den Umrissen zu urteilen wäre es spannend gewesen. Ich bin nicht durch den ganzen Park durch, sondern gut eine Meile vor Agua Dulce, noch innerhalb des Parks, auf einen Tisch mit Bank gestossen und habe beschlossen, hier zu übernachten. Wäre ich jetzt nach Agua Dulce gegangen, wäre sowieso nichts mehr offen gewesen. Wenn ich hierbleibe, kann ich am Morgen den Rest des Parks anschauen und danach direkt in die Stadt zum Frühstück.
Also habe ich mein Cowboy Camp auf einem herumstehenden Esstisch eingerichtet. Der Tisch hat etwa die Breite meiner Matte. Ich hoffe, dass das Rutschen heute Morgen einmalig war, denn hier wäre es definitiv schmerzhafter. Es ist nicht das erste Mal, dass ich erhöht schlafe — aber das erste Mal, dass ich aktiv übers Herunterfallen nachdenke.


