Ruhetag eingelegt. Die Ranger Station war noch immer geschlossen — also bin ich in Idyllwild geblieben.
Es war ein relativ ruhiger Tag. Ich habe gelesen, mich entspannt und bin einkaufen gegangen. Nirgends in der Stadt habe ich eine Nussmischung gefunden. Nur Sonnenblumenkerne mit Schale — mehr Aufwand als Ertrag. Also habe ich mich mit Energieriegeln abgefunden. Frühstück habe ich selbst gemacht im Bunkhouse, das bekanntlich über eine Mikrowelle und ein Lavabo verfügt. Das ist die Küche.
Zum Abendessen bin ich Sushi essen gegangen. Überraschend gut — etwas unter meinem Stammrestaurant in Zürich, besonders die Hühnchen-Vorspeise. Fade Würfel, gerettet nur von einer Frühlingsrollensauce, die mir zu süss war. Die Gyoza hingegen waren doppelt so gross wie die, die ich kenne, und knuspriger. Sie haben mir sogar besser geschmeckt als die daheim. Als Hauptgang habe ich Nudeln mit Hühnchen bestellt — gut. Eine Gabel musste ich extra anfragen, denn die Idee war, mit Stäbchen zu essen. Mit Stäbchen zu essen ist kein Problem, aber bei Nudeln bevorzuge ich dann doch die Gabel.
Dann habe ich noch eine knusprige Sushi-Rolle bestellt. Hier läuft das anders als ich es kenne — statt vielen kleinen Portionen verschiedener Sorten wählt man eine und bekommt davon eine sehr grosse Portion. Acht bis zehn riesige Rollen im California-Roll-Stil mit einer guten Sauce. Für Schweizer Verhältnisse habe ich wohl zwei Portionen gegessen, zu einem kleineren Preis als eine Portion daheim.
Auf dem Heimweg habe ich noch einen anderen Hiker aus dem Bunkhouse getroffen. Wir kamen ins Reden. Er hatte eine Stirnlampe dabei, was praktisch war, da ich meine nicht mitgenommen hatte. Im Bunkhouse angekommen hat er mir eine Zigarette angeboten — ich rauche nicht. Dann ein Bier — trinke ich auch nicht. Den Falschen erwischt, habe ich ihm gesagt. Er schien aber Zeit zu haben, also habe ich vorgeschlagen, dass wir einfach reden. Das haben wir dann getan.
Seit einigen Tagen steckt er hier fest. Sein Zelt ist in der Sturmnacht aufgerissen — es hatte schon vorher ein kleines Loch, das der Wind vollständig aufgerissen hat. Auf ein neues wartet er noch.
Er hat mir einen Stapel Tortillas gegeben — zu schwer, um sie bis zur nächsten Station mitzunehmen, sagte er. Viele Hiker nehmen lieber nicht mehr Essen mit als bis zum nächsten Resupply nötig, auch wenn sie dort dasselbe wieder kaufen müssen. Den Rest lassen sie lieber zurück oder verschenken ihn. Das sehe ich anders — Essen kann man immer gebrauchen und nie zu viel davon haben. Das ist auch der Grund, warum mein Rucksack schwerer ist als fast alle anderen hier. Der Vater und sein Sohn, die ich früher erwähnte, sind eine Ausnahme — sie sind gerade irgendwo vor mir, da sie keinen Pausentag eingelegt haben. Schneller bin ich trotzdem, also werden wir uns wohl bald wiedersehen.
Dann bin ich schlafen gegangen.